Paulownia Botanik

Inhaltsverzeichnis

  1. Kurzüberblick
  2. Merkmale
  3. Geschichte
  4. Klassifikation
    1. Gewöhnliche Sorten
    2. Außergewöhnliche Sorten
  5. Typen
    1. Wildtyp
    2. Semi-Wildtyp
    3. Künstliche Crossing-Typen
    4. Neue künstliche Kreuzungen, Hybride
  6. Fachliche Informationen
    1. Saatgut

Kurzüberblick

Paulownia wächst sehr schnell, 7 bis 9 Meter im ersten Jahr sind bei guten Umweltbedingungen üblich. Sie sind in Deutschland meist unter dem allgemeinen Namen der Sorte Paulownia Tomentosa als "Blauglockenbaum" oder "Kaiserbaum" bekannt.
Aufgrund des schnellen Wachstums überholen sie, in circa 2 Monaten, rasch Unkraut und Gräser, um dann Schatten spenden zu könnnen.
Da Paulownien ursprünglich aus Süd-Ost Asien stammen, haben sie in Mittel- und Nordeuropa häufiger Probleme mit Frost. Eine intensive Pflege ist somit notwendig und beeinflusst das Ergebnis und den Ertrag.
Unter günstigen Bedinungen erzielen sie einen Jahreszuwachs von bis zu 5 Metern in der Höhe und kann in 8 bis 10 Jahren schlagreif, bei einer Gesamtgröße von 15 bis 23 Meter mit circa 35cm bis 45cm Stammdurchmesser auf Brusthöhe, sein.
Dieser grandiose Baum ist nachwachsend, daher der Name "Phönixbaum".

Merkmale

  • Paulownia wächst in dem ersten Jahr, als Jungpflanze, circa 1 bis 2 Meter.
  • Bei sehr kräftigen Pflanzmaterial kann der Baum auch 2 bis 3 Meter im ersten Jahr erreichen, wobei hierbei optimale Pflanzen-, Boden-, und Klimabedingungen erfüllt sein müssen
  • Im ersten Jahr bekommt der Baum, direkt am Stamm, enorm große Blätter, welche bis zu 60 Zentimeter Durchmesser aufweisen
  • Die Blätter sind bestes Futter für Tiere - nahrhaft wie Luzerne mit circa 19% Proteinen
  • In den nächsten Jahren wachsen die Äste und bilden eine Krone, während die Blätter an Größe abnehmen
  • Blütenfarbe ist rosa bis violett, blauviolett bis blau sind ebenfalls möglich
  • Bildet ab dem vierten Jahr, ohne Rückschnitt, sehr hübsche, große Blütenrispen, welche einen hochqualitativen Honig bieten
  • Die Blütezeit in Deutschland erstreckt sich von Mai bis Juni, über circa 4 gesamte Wochen
  • Paulownia findet auch Verwendung für medizinische und kosmetische Zwecke
  • Ist durch seine Eigenschaften für Wiederaufforstung bedingt geeignet, da oft der benötige pH Wert von ca. 7 kaum erreicht wird
  • Kann auch in trockeneren Gebieten bis 45°C wachsen die Paulownia benötigen in der Anfangsphase dementsprechend mehr Wasser
  • Auch für die Umwelt gibt der Baum sein Bestes, er nimmt 36 Tonnen CO2 je Hektar mit 600 Bäumen auf und gibt 59 Tonnen Sauerstoff ab

Geschichte

Paulownia ist ein anmutiger, laubabwerfender Edelholzbaum mit der Abstammung aus Asien, primär China und Japan. Er ist schon seit über 2000 Jahren bekannt - jedoch in Vergessenheit geraten. Seit circa 30 Jahren wird Paulownia wieder vermehrt in Plantagen angebaut. Er erfreut sich aufgrund seines sehr schnellen Wachstums und der vielfältigen, positiven Eigenschaften immer größerer Beliebtheit.

Der Niederländer Philipp Franz von Siebold brachte den Baum im 19. Jahrhundert nach Europa und benannte diesen nach der Kronprinzessin Anna Pawlowna, späteren niederländischen Königin und Tochter des russischen Zaren Paul I..
Der Paulowniabaum war auch der Lieblingsbaum von Kaiser Franz Joseph I., welcher ihn als Park- und Zierbaum anpflanzen ließ. Aus der Leidenschaft des Kaisers für diesen schmuckhaften Baum wurde er auch hierzulande als Kaiserbaum bekannt.
In Deutschland ist der Baum als Blauglockenbaum bekannt. Er stammt aus der Familie der Blauglockenbaumgewächse. Die Blüten können von hell Rosa bis dunkles blau variieren.

Paulownia ist unter anderem als Kiri bekannt, der Ursprung soll in Japan und Süd-Ost Asien liegen. Die Legende erzählt von einem Phönix-ähnlichen Vogel, der sich ausschließlich auf einem Kiribaum niederlässt und für die ewige Wiedergeburt der Seele steht. In der Hoffnung diesen glückbringenden Vogel anzulocken, wurde die Bäume gepflanzt. Er ist ein Symbol für Glück und Fruchtbarkeit.
Im asiatischen Raum wird nach der Geburt eines Kindes ein Kiribaum gepflanzt. Aus dessen Holz wird wiederrum eine Kinderwiege gebaut, wenn das Kind erwachsen geworden ist und selbst Nachwuchs bekommt. Weiterhin wurden Wertschränke aus massivem Kiriholz gebaut, da diese oft die enormen Temperaturen von Hausbränden überstanden.
Um Getreide zu lagern, wurden Kisten aus Kiriholz verwendet, da das Holz Schädlinge und Würmer fernhält und zusätzlich einen guten Schutz gegen Fäulnis bietet.

Klassifikation

Gewöhnliche Sorten

  • Paulownia Tomentosa - Von -21°C bis +38°C.
    Tomentosa ist ein Paulownia Wildwuchs mit einer großen Krone, als Plantagenbaum geeignet, aber nicht für Wertholz.
    Für Energieholz findet diese Art jedoch Verwendung. Tomentosa ist die kälteresistenteste Art, welche bereits seit über 100 Jahren, bislang hauptsächlich in Parks, wächst.
    Er ist sehr gut als Solitärbaum, also Zierbaum, geeignet.

  • Paulownia Elongata - Von -19°C bis +40°C
    Elongata wächst schneller und wird größer als Tomentosa, hat eine kleinere Krone und die Stammbildung zeigt wiederkehrenden Kronenaufbau.
    Diente bislang als beste Sorte für Paulowniaplantagen in Europa und anderen Ländern.
    Ist als Solitärbaum und in Gruppen, bzw. kleineren Plantagen gut einsetzbar. Elongata ist auch für kleinere Wertholz und Energieholz Plantagen geeignet.

  • Paulownia Fortunei - Von -13°C bis +45°C
    Fortunei wächst schnell, wird bis zu 20 Meter hoch, mit einer schmaleren Krone als Elongata und sollte ausschließlich in warmen Regionen kultiviert werden.
    Bietet eine schönere Holzmaserung und kann als Gruppen- oder Plantagenbaum gepflanzt werden, ist sowie für Wert- als auch Energieholz geeignet.

  • Paulownia Catalpifolia - Von -17°C bis +40°C
    Catalpifolia wächst nicht ganz so schnell wie andere Paulownia Sorten, ist aber durch gutes Holz bekannt.
    Da es nicht allzu schnell wächst, sind die Jahresringe enger, bis 5cm Jahresringe konnten wir dennoch in Griechenland messen.
    Durch die engeren Jahresringe hat es einen höheren Verkaufspreis, welchen man jedoch in die Standzeit investieren muss.
    Nicht so verbreitet wie Tomentosa, Elongata oder Fortunei.

Außergewöhnliche Paulowniasorten

  • Paulownia Shan Tong (EU-ST) - Von -20°C bis 42°C
    Shan Tong (Elite EU-ST) ist eine Hybride aus Tomentosa und Fortunei, bildet gutes Holz und wächst im Vergleich rasant.
    Bildet weniger Äste, markant hierbei ist ein gerader, hoher, astfreier Stamm.
    Die Krone und der Wuchs kann variieren, je nachdem ob Tomentosa oder Fortunei genetisch dominiert.
    Mit Shan Tong verbinden wir gute Qualität und Quantität als Wertholz, aber auch als Energieholz - hervorragend für Plantagen und darüber hinaus geeignet.

  • Paulownia 9501 (EU-01) - Von -20°C - 42°C
    Paulownia 9510 (Elite EU-01) ist eine Hybride aus Tomentosa und Fortunei, wie auch "Nordmax 21", unterscheidet sich kaum von der Shan Tong. Bildet sehr gutes Holz, wächst außerordentlich schnell, besitzt weniger Äste und eine kleinere Krone als Tomentosa, welche aber, je nach dominierenden Genen, sich im Erscheinungsbild verändert. Der Stamm ist, wie Paulownia Shan Tong auch, geradlinig und hoch.
    Gutes Verhältnis aus Quantität und Qualität.
    Eignet sich wunderbar für Plantagen in Europa und darüber hinaus.

  • Paulownia EU-TFE - Von -20°C bis +46°C
    EU-TFE ist eine Paulownia Hybdride aus Tomentosa, Fortunei und Elongata und ist noch sehr neu. Wir haben ihn 2018 angebaut und sind wie, von Shan Tong und 9501, sehr beeindruckt. Laut Züchter bildet EU-TFE keine Blüten, das können wir jedoch so nicht bestätigen, da uns der Beweis fehlt, welches sich aber im Laufe des Wachstums zeigen sollte. Weiterhin bildet er auch sehr gutes Holz, wächst rapide, hat weniger Äste und eine kleinere Krone, welche aber auch aufgrund Genetik variieren kann. Der Stamm ist wie bei den meisten Tomentosa-Fortunei Kreuzungen geradlinig und hoch. TFE soll laut Züchter keine bis kaum Blüten treiben. Somit kann die ganze Energie ins Wachstum übergehen, anstatt an den Blütenständen zu verschwenden. Auch ist die Frage der Invasivität damit unerheblich. Unserer persönlichen Bewertung nach, räumen wir EU-TFE ein hohes Potential ein, wömglich wird diese Art die bei uns die noch dominierende Shan Tong Auswahl ersetzen.

Typen

  1. Wildtyp - Wildwuchs
  2. Semi-Wildtyp - Natürliche und teilweise kontrollierte Kreuzung
  3. Kunst-Crossing-Typ - Kontrollierte Kreuzung der besten Bäume

Wildtyp

Es existieren fünf Arten von Paulwownia Wildtypen: Paulownia Albiphloea ZHZhu sp.nov, Paulownia Photeinophylla, Paulownia Catalpifolia Gong Tong, Paulownia Fargesii Franch und Paulownia Kawakamii Ito. Die Wildtypen finden wir, wie der Name schon suggeriert, wild gewachsen, vereinzelt oder in kleinen Gruppen. Eine Widerstandsfähigkeit in Plantagenform ist hierbei nicht gegeben. Die Holzqualitäten sowie -quantitäten sind sehr unterschiedlich und verhältnismäßig gering.

Semi-Wildtyp

Die enstanden in Asien in den 70er bzw. 80er Jahren durch langfristige, künstliche Aklimatisierung. Einige vermehrten sich wild, einige wurden künstlich gezüchtet.
Es sind vier Arten von Semi-Wildtypen bekannt: Paulownia Forunei (Scheinen) Hemsl. Paulownia Elongata SYHu, Paulownia Catalpifolia Gong Tong, Paulownia Tomentosa (Thunb.) Steud. Die Semi-Wildtypen sind erste Ergebnisse von Selektion und Kreuzungen. Sie wurden mit unterschiedlichen Ergebnissen für verschiedene kleine Gruppenpflanzungen einsetzbar. Durch wiederholte, künstliche, mehrgenerationen Vermehrung gingen gute Eigenschaften wieder verloren und Krankheiten, minderwertige Holzqualität, sowie schlechte Wuchseigenschaften traten verstärkt auf, somit sind die Semi-Wildtypen nicht für den Plantagenanbau geeignet.

Künstliche Crossing-Typen

Die Wild-Typen und Semi-Wildtypen konnten nicht alle Erwartungen bei der Aufforstung erfüllen. Somit begann die künstliche Kreuzung von Selektionen aus den besten Paulownia Arten mit dem Ziel bei extremen Bedingungen möglichst stark und resistent zu sein, einen hohen Ertrag, sowie beste Holzqualität zu erzielen.

Neue künstliche Kreuzungen, Hybride

Diese neue Generation ist geeignet für den Plantagenanbau und zeichnet sich durch besseren Widerstand gegen Krankheiten, Insekten, verbesserte Holzeigenschaften, schmalere Kronen, starke Anpassungsfähigkeit an die natürliche Bedingungen der Bäume, bessere Holzqualität und Holzquantität, aus.

Fachliche Informationen

Saatgut

Der Naturforscher Gregor Mendel erkannte bereits 1860 das Prinzip von rezessiver und dominanter Genetik, wenn zwei Pflanzen miteinander gekreuzt werden. Dieses Prinzip ging als "Vererbungslehre" in unsere Biologiebücher ein und erklärt die Gesetze bei dem Kreuzen von Pflanzen.

Werden zwei Pflanzen miteinander gekreuzt, so sind die daraus resultierenden Pflanzen aus dem gekreuzten Samen immer einzelne Individuen. Jedes Saatkorn hat seine inidviduelle, genetische Charakteristik. Alle Saatkörner enthalten sowohl die väterlichen als auch die mütterlichen Eigenschaften in einer gewissen Kombination. Der Anteil der väterlichen und mütterlichen Eigenschaften des Saatkorns sind selten identisch. Neue genetische Kombinationen führen zu neuen Charakteristika, welchen den ursprünglichen Pflanzen fehlen, zum Beispiel Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten, Wachstumseigenschaften, wie Gradlinigkeit aber auch Kältetoleranz.

Für den kommerziellen Anbau sollten auf Plantagen ausschließlich die Pflanzen, mit den für die Bedingungen besten Eigenschaften, gepflanzt werden - das sichert einen optimalen Ertrag, deswegen ist die Verwendung von gewöhnlichem Saatgut ungeeignet.

Aus dem Saatgut müssen immer die Sämlinge mit den besten Eigenschaften ausgewählt werden. Die effizienteste und erfolgreichste Methode für das Klonen ist die Meristemkultur oder die In vitro-Vermehrung.

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